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Buchbesprechung – Augmentative Verfahren in der Implantologie

Vor mir liegt eines der Bücher, die meinen therapeutischen Ansatz gänzlich geändert haben. Ich wurde im Bereich Implantologie vor allem mit bovinem Knochenersatzmaterial und porcinen Membranen aufgezogen, aber in den letzten Jahren musste ich immer wieder Implantate an Stellen setzen, an denen mit bovinem Knochenersatzmaterial Socket preservations durchgeführt worden waren. Immer wieder hatte ich den Eindruck, dass das was sich dort in der Alveole befindet, kein „guter Knochen“ ist. Natürlich haben schöne und tolle Ergebnisse bei Kongressen präsentiert von bekannten und renommierten Kollegen immer wieder meine Bedenken zerstreut, aber es ließ mir keine Ruhe. Ich habe für mich online recherchiert, welche Möglichkeiten des Knochenaufbaus es gibt und welche Ergebnisse echtem Knochen am nächsten kommen. Nach einiger Suche stiess ich auf das Buch „Augmentative Verfahren in der Implantologie“ von Fouad Khoury.

Das Buch hat mich von Anfang an begeistert und die Fälle im Buch sind sehr gut dokumentiert. Das Buch war für mich die Basis mein augmentatives Konzept zu überdenken und gipfelte darin, dass ich zwei Kurse bei Prof. Dr. Khoury im beschaulichen Sauerlanddorf Olsberg besuchte. Es war für mich ein Eye-Opener.

Das Buch „Augmentative Verfahren in der Implantolgie“ ist auch alleine ein tolles Buch, aber in Kombination mit den Kursen in Olsberg ist das Buch genial.

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Das Buch gliedert sich in insgesamt 9 Kapitel, die teilweise unter der Mitarbeit von Dr. Thomas Hanser, Dr. Charles Khoury, Dr. Jörg Neugebauer, Dr. Tobias Teepelle, Dr. Jochen Tunkel und Prof. Dr. Dr. Joachim Zöller entstand.

Die ersten beiden Kapitel („Biologie und Physiologie des Implantatlagers unter Berücksichtigung von Transplantationsverfahren“ und „Der Einfluss der Implantatoberfläche auf die Erfolgsrate von Implantaten im aufmontierten Knochen“) sind als Basis für jeden implantologischen Zahnarzt interessant, aber liefern nicht direkte klinische Tricks und Konzepte.

Im Abschnitt „Planung und Diagnostik“ bekommt man natürlich altbekannte Techniken präsentiert, aber auch auf neuere Techniken wie DVT und Navigation wird oberflächlich eingegangen. Das ist nicht schlimme, denn gerade in diesem Bereich kann ein Buch mit der momentanen Entwicklung nicht Schritt halten, aber in diesem Buch geht es ja auch um Augmentation und nicht um Navigation.

In Kapitel 4 „Weichgewebsmanagement während Augmentation, Implantation und Freilegung“ wird es richtig spannend und man kann die erläuterten Techniken anhand der gut dokumentierten Fälle sehr gut mitverfolgen. Kompliziertere Techniken, wie die Kazanjian-Vestibulumplastik werden durch schematische Zeichnungen genauestens erklärt. Es wird einem selbst als erfahrenem Implantologen nochmal vor Augen geführt, dass das Handling der Weichgewebe ein entscheidender Teil für den Langzeiterfolge der Implantate ist. Das Bohren von Löchern in den Knochen und das Füllen mit Implantaten wird fast zur Nebensächlichkeit. Es wird einem klar, dass Knochenaufbau, Weichgewebsmanagement, Nahtverschluss etc. den Erfolg der Implantation massgeblich mit beeinflussen.

Kapitel 5 widmet sich dann den verschiedenen Knochentransplantaten aus der Mandibula. Dieses Kapitel ist mit mehr als 170 Seiten alleine schon den Kauf dieses Buches wert und extrem gut bebildert.

Danach folgen mit Kapitel 6 (extraorale Knochenentnahme) und Kapitel 7 (Distraktionsosteogenese) für die meisten Zahnärzte eher uninteressant. Es schadet aber sicher nicht, sich mit diesen Themen rudimentär auszukennen.

Der 8. Abschnitt über „Komplexe implantatprothetische Rehabilitationen unter dem Aspekt der provisorischen und definitiven Versorgung“ zeigt verschiedene definitive Versorgungsarten. Des Weiteren erkennt man, wie wichtige die provisorische Versorgung für den Erfolg einer implantologischen Behandlung ist. Gerade die Nutzung von provisorischen Implantaten, um eine festsitzende provisorische Versorgung zu gewährleisten ist so wichtig und wird von vielen Implantologen kaum genutzt. Statt einer stabilen Versorgung auf Interimsimplantaten werden schlecht sitzende Prothesen weichbleibend unterfüttert. Das kann funktionieren, aber es ist sicherlich nicht sinnvoll, dass ein Stück Kunststoff auf den Implantaten oder auf dem Augmentat rumrutscht. Wenn man bedenkt, wie gravierend Druckstellen manchmal aussehen, kann man sich vorstellen, dass darunter liegender Knochenaufbau stark leidet. Davon abgesehen, empfinden die Patienten einen herausnehmbaren Zahnersatz meist als belastend.

 

 

Kapitel 9 „Komplikationen und Risiken bei augmentativen Maßnahmen“ ist am Ende des Buches mit nochmal ca. 80 Seiten nochmal ein guter Abschluss. Es zeigt nochmal genau auf, welche Aspekte Komplikationen auslösen können und wie man diese direkt umgeht. Des Weiteren werden unzählige Fälle mit Komplikationen und deren „Lösung“ dargestellt. Das gibt einem zu einen das Vertrauen, dass man Komplikationen so lösen kann, dass es immer noch ein gutes Ergebnis gibt, zum anderen erkennt man, dass jeder Operateur Fälle hat, die unglücklich verlaufen.

Fazit:
Das gesamte Buch, speziell die Kapitel 4 bis 9 bieten ein perfektes Rezept, um Patienten mit zu wenig Knochen vorhersagbar zu augmentieren und zu implantieren. Ein fantastisches Kochbuch für Implantologen.

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